"The Sinner": Dieser Fehler vermiest uns gewaltig das Ende (SPOILER)

Photo Credit: Peter Kramer/USA Network
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Die neue US-Serie "The Sinner" hat uns acht Episoden lang bestens unterhalten und wäre wohl auch positiv in Erinnerung geblieben - wäre da nicht dieses fiese Logikloch im Finale gewesen.

Vorsicht: Dieser Artikel enthält massive Spoiler! Wenn du die Serie noch nicht kennst, aber planst, sie zu sehen, solltest du diesen Artikel nicht lesen und erst nach dem Finale zurückkommen.

Krimi- und Thriller-Fans dürften ihr persönliches Highlight für dieses Jahr mit "The Sinner" bereits gefunden haben. Seit 7. November steht die komplette 1. Staffel der US-Serie mit Jessica Biel und Bill Pullman hierzulande auf Netflix zur Verfügung. In acht Episoden wird die tragische Geschichte von Cora Tannetti (Biel) erzählt, die eines Tages einen ihr fremden Mann tötet - ohne Motiv und vor den Augen ihrer Familie. Stück für Stück bohrt Detective Harry Ambrose (Pullman) tiefer in Coras Unterbewusstsein und enthüllt eine düstere Vergangenheit, die den Zuschauer mal sprachlos macht, mal schockiert. Erst im Finale enthüllt sich die ganze Geschichte, die Cora über die Jahre verdrängt hat.

Ambrose forscht nach

Eigentlich wäre "The Sinner" eine rundum perfekte Serie - eigentlich. Denn ein Fehler in der finalen Auflösung sorgt für reichlich Frust bei den Zuschauern und verwirrte auch mich beim Binge-Watch-Abend. Um den Fehler zu erklären, müssen wir erst einmal wieder in die Geschichte eintauchen: Als Ambrose noch keine Ahnung hat, was mit der eher wortkargen Cora passiert ist, versucht er bei ihrer Familie Antworten zu erhalten. Denn die ist - im Gegensatz zu Coras anfänglicher Aussage - am Leben, hat aber keinen Kontakt mehr zu ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter.

Der Fund der Leiche

Im Gespräch mit ihren Eltern erfährt Ambrose, dass Cora noch eine jüngere Schwester namens Phoebe (Nadia Alexander) hatte, die jedoch jahrelang mit Leukämie zu Kämpfen hatte und am Ende auch starb. Einen Monat, nachdem Cora damals spurlos verschwand. So die Geschichte der Eltern. Dann springen wir ein paar Episoden nach vorne: Mittels Hypnose führt Cora die Polizei zum versteckten Grab einer Frauenleiche. Deren Identität ist zunächst unklar, obwohl alles darauf hindeutet, dass es sich bei der Toten um Maddie (Danielle Burgess), der Ex-Freundin von J.D. (Jacob Pitts), handelt. Erst in den letzten Atmezügen von "The Sinner" wird offenbart, dass es sich bei der Toten nicht um Maddie handelt, sondern um Coras Schwester Phoebe.

Vertuschungsversuch der Belmont-Familie

Diese verschwand an ihrem Geburtstag gemeinsam mit Cora aus dem streng religiösen Elternhaus. Nach einer Nacht mit Drogen und Alkohol, verstirbt die ohnehin geschwächte Phoebe schließlich beim Sex mit Frankie Belmont (Eric Todd). Dessen angesehene Familie kümmert sich darum, den Tod zu vertuschen, aus Angst, dass es ernste Konsequenzen für ihren Sohn und dessen Laufbahn als Arzt haben könnte. Der Leichnam von Phoebe wird im Wald verbuddelt, für Cora beginnen Monate des Schmerzes, die sie am Ende zur Heroin-Süchtigen machen, die keine Erinnerung mehr an den Vorfall hat.

Die Aussage der Eltern

Nachdem die Karten jetzt alle auf dem Tisch liegen, kommen wir zum eigentlichen Problem vom Finale von "The Sinner" (basierend auf dem Buch "Die Sünderin"): Niemand wusste, dass Phoebe bei der wilden Party-Nacht ums Leben gekommen, trotzdem erzählten die Eltern der Polizei, dass ihre Tochter tot ist. Das können die aber unmöglich gewusst haben. Ihre Mutter Elizabeth (Enid Graham) hat mitbekommen, dass ihre Töchter gemeinsam abhauen wollen und war all die Jahre davon überzeugt, dass Phoebe mit Cora das Weite gesucht hat. Wie kommt sie also darauf, dass ihre jüngste Tochter plötzlich tot ist?

Niemand interessiert sich für Phoebe

Eine Erklärung könnte sein, dass Phoebe bereits an ihrem Geburtstag sehr geschwächt und am Ende ihrer Kräfte war. Ohne medizinische Betreuung und ihre Medikamente - die die Töchter bei der vermeintlichen Flucht nicht mitgenommen haben - würde sie wohl nicht lange überleben. Aber welche Mutter forscht dann nicht weiter nach und will den Leichnam des Kindes, um das sie sich all die Jahre aufopferungsvoll gekümmert hat, nicht nach Hause holen, um es richtig und in der Nähe beerdigen zu können? Irgendwie passt das Verhalten nicht zu der Elizabeth, die wir in "The Sinner" kennengelernt haben.

Coras Erinnerung hätte bereits früher getriggert werden können

Vor allem müssen wir uns noch eine andere Sache vor Augen halten: Nachdem Cora wieder auftauchte und clean wurde, hat sie Kontakt mit ihrer Familie hergestellt. Doch offensichtlich hat sie niemand darauf angesprochen, dass sie gemeinsam mit Phoebe verschwunden ist und die einzige Person ist, die über Phoebes Aufenthaltsort Bescheid gewusst hat. Niemand hat sie scheinbar gefragt, wo sie waren, wo Phoebe ist und wie es ihrer Schwester geht. Fragen, die dazu geführt hätten, dass Coras Erinnerung wesentlich früher getriggert worden wäre. Denn wenn Cora gewusst hätte, dass ihre Schwester zuletzt bei ihr war, hätte sie vermutlich eine Vermissten-Anzeige aufgegeben oder zumindest versucht, ihre Erinnerungen zurückzugewinnen. Am Ende: nichts davon. Die Familie fragte nicht nach und nahm einfach an, dass Phoebe gestorben war.

"Ich kaufe es ihnen nicht ab"

Und genau das ist es, was vielen Zuschauern gehörig den Spaß an der amerikanischen Serie vermiest. Auf Reddit lassen sich zahlreiche Fans negativ über die Auflösung und das "plot hole" bezüglich Phoebe aus. "Ich kaufe es ihnen nicht ab. Niemand (nicht die Mutter, nicht der Vater, nicht die Tante, noch irgendein anderes Familienmitglied) hat gefragt, wo Phoebe war oder was passiert ist? Und ich zweifle stark daran, dass Elizabeth nicht die 'Du hast deine Schwester irgendwohin mitgenommen und nun ist sie verschwunden oder irgendwo tot'-Schuldgefühle gegen Cora eingesetzt hätte. Plus, wieso hat Ambrose nicht Phoebes Tod überprüft?", schreibt Nutzerin MsCardeno in einem Thread und spricht auch mir ein kleines bisschen aus der Seele.

Alle acht Episoden der 1. Staffel "The Sinner" steht auf Netflix zur Verfügung.

Autor:

Julia Schmid

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